Der Aufsichtsrat im digitalen Zeitalter - Quelle: Shutterstock / Gorodenkoff

Die Rolle des Aufsichtsrats im digitalen Zeitalter (Gastbeitrag von Dr. Viktoria Kickinger)

Dr. Viktoria Kickinger ist nicht nur erfahrene Aufsichtsrätin, sondern auch Expertin für digitale Aus- und Fortbildung von Aufsichtsräten in Deutschland. In ihrem Gastbeitrag wirft sie einen Blick auf den Begriff der „digitalen Kompetenz“ im Aufsichtsrat und die Bedeutung der Digitalisierung.

In der heutigen Zeit, in der Digitalisierung und Innovation im Fokus vieler Geschäftsdiskussionen stehen, unterliegt die Rolle des Aufsichtsrats einem enormen Wandel. Es reicht nicht mehr aus, lediglich auf traditionelle Geschäftspraktiken zu setzen. Vielmehr sind heutige Aufsichtsräte gefordert, technologische Veränderungen nicht nur zu akzeptieren, sondern sie aktiv zu unterstützen und zu fördern – und selbst digital kompetent zu werden. Ein prägnantes Beispiel ist die fließende Anpassung an virtuelle Sitzungen. Die jüngste Pandemie hat deutlich gemacht, wie adaptiv Unternehmen sein müssen. Mithilfe von Online-Meeting-Plattformen können Aufsichtsräte nun effektiv und sicher agieren, wodurch eine weltweite Zusammenarbeit ohne physische Barrieren realisiert wird.

Digitalisierung: länderspezifische Ansätze

Der Umgang mit personenbezogenen Daten ist streng reguliert (Quelle: Shutterstock / staukestock)

International betrachtet, gibt es unterschiedliche Ansätze zur Digitalisierung. In Europa etwa hat die Einführung der DSGVO den Schutz personenbezogener Daten in den Mittelpunkt gerückt. Dies zwingt europäische Aufsichtsräte, sicherzustellen, dass Innovationen den Datenschutzrichtlinien entsprechen. Im Gegensatz dazu setzen Unternehmen in den USA, mit Schwergewichten wie Tesla und Apple an der Spitze, auf Aufsichts- und Verwaltungsräte, die Innovationen aktiv vorantreiben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Doch das eine schließt das andere nicht aus: Technologisch ausgeklügelte Plattformen wie virtuelle Datenräume stellen den Datenschutz sicher und ermöglichen dennoch das abteilungs- und sogar länderübergreifende Zusammenarbeiten an disruptiven Technologien. Ganz nebenbei hat Datenschutzkonformität sogar einen entscheidenden Vorteil: Unternehmen, die der DSGVO gerecht werden, sind in der Regel besser gegen Cyberangriffe gefeit und profitieren von einem gestärkten Vertrauen der Kunden in das Unternehmen, was sich häufig in ein Umsatzwachstum niederschlägt. Ein Wissen um diese Umstände und Kenntnis entsprechender Tools – sprich, digitale Kompetenz – hilft den Aufsichtsräten, den jeweiligen Digitalisierungsansatz zu ihrem Vorteil zu nutzen und Innovationen unabhängig vom Sitz des Unternehmens zu forcieren.

Digitale Kompetenz im Aufsichtsrat: ein völlig neues Verständnis

In der Welt der Unternehmensführung wird der Begriff „digitale Kompetenz“ häufig verwendet – manchmal so oft, dass er an Bedeutung zu verlieren scheint. Doch gerade für Aufsichtsräte ist es entscheidend, diesen Ausdruck nicht nur als Modewort abzutun, sondern das wahre Potenzial dahinter zu erkennen. Der Aufsichtsrat ist oftmals digital kompetenter, als er selbst glaubt, und das ist wesentlich, um den Berichten der Geschäftsführung folgen zu können.

Innovation und globale Trends wie KI spielen eine wichtige Rolle (Quelle: Shutterstock / Ascannio)

Daher ist es von größter Bedeutung, dass Aufsichtsräte im digitalen Zeitalter einen ständigen Lern- und Anpassungsprozess durchlaufen. Dabei sollte der Schwerpunkt klar auf Innovation und einem tieferen Verständnis für globale Trends – wie etwa Künstliche Intelligenz (KI) – und regionale Besonderheiten – wie eben die dabei zu beachtenden länderspezifischen Datenschutzrichtlinien – liegen. Es ist zentral, wachsam gegenüber Entwicklungen auf der internationalen Bühne zu sein und von verschiedenen Ländererfahrungen zu profitieren, um in einem digitalen Kontext erfolgreich zu sein.

Dabei bedeutet digitale Kompetenz für die Aufsichtsräte auch, die Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Unternehmen zu verstehen und zu bewerten. Es geht nicht nur um die Kenntnis neuer Technologien, sondern um ein umfassendes Verständnis dafür, wie diese Innovationen Geschäftsmodelle, Marktstrategien und Kundenbeziehungen beeinflussen.

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz

Ein wesentlicher Aspekt in der Diskussion um digitale Kompetenz ist das Verständnis des Unterschieds zwischen KI und Digitalisierung. Während Digitalisierung sich auf die Integration digitaler Technologien in alle Bereiche eines Unternehmens bezieht, geht es bei KI um spezifische Anwendungen, die auf maschinellem Lernen und algorithmischer Datenanalyse basieren.

KI kann in vielen Bereichen, in denen Aufsichtsräte tätig sind, positive Auswirkungen haben. Zum Beispiel kann sie bei der Analyse von Markttrends, der Risikobewertung und bei der Optimierung von Geschäftsprozessen unterstützen. Ein tiefgreifendes Verständnis von KI ermöglicht es Aufsichtsräten, fundierte Entscheidungen zu treffen und das Unternehmen zukunftsorientiert zu führen.

Fazit

Digitale Kompetenz im Aufsichtsrat ist mehr als nur ein Trendbegriff. Sie ist eine wesentliche Fähigkeit, die es Aufsichtsräten ermöglicht, den Herausforderungen und Chancen der digitalen Ära gerecht zu werden. Mit der richtigen Einstellung und den passenden Bildungsinstrumenten kann der Aufsichtsrat eine führende Rolle in der digitalen Transformation des Unternehmens spielen.

Zur Autorin

Dr. Viktoria Kickinger ist erfahrene Aufsichtsrätin und Expertin für digitale Aus- und Fortbildung von Aufsichtsräten in Deutschland. Die promovierte Philosophin war während ihrer Managementkarriere für große Staatskonzerne tätig. Als Aufsichtsrätin übernimmt Dr. Kickinger Mandate mit einem breiten Branchenspektrum – von Automotive und IT bis zu Wissenschaft und Kultur.

2013 startete sie das Angebot von Director‘s Channel in Hamburg, dem Online-Fernsehsender für Aufsichtsräte. 2016 gründete Dr. Kickinger „Directors Academy“ und setzt damit neue Standards für die Qualifizierung von Aufsichtsräten.

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